Der instrumentale Musikunterricht

oder – Wie findet man geeignete Instrumente für Kinder?

oder – eine Dritte Welt im Schulgeschehen.

Die heutige Situation sieht wie folgt aus: Wenn ein Kind ein Streichinstrument lernen möchte, schauen die Eltern sich um nach einer 1/4, 1/2, oder 3/4 Violine bzw. Cello und bekommen einen schlimmen Schrecken, wenn sie erfahren, welche Summe da vonnöten sind, ein Instrument zu beschaffen.Es wird dann gewöhnlich nach der billigsten Möglichkeit Ausschau gehalten, weil für den Anfang „tut’s ja auch was einfaches.“Für den verantwortungsvollen Fachmann sieht das meistens so aus, dass das erstandene Instrument höchstens äußerlich etwas Ähnlichkeit mit einer Geige bzw. Violoncello hat. Von der Qualität her kann es kaum die Funktion eines „Instrumentes“ übernehmen.


Es stellt sich doch die Frage zunächst die Frage, was will man beim Kinde ansprechen.Eigentlich sollt der instrumentale Musikunterricht darauf hinarbeiten, der musikalischen Intention des Kindes, d.h. der Musikalität, die das Kind in sich hat, Mittel und Wege bereit zu stellen, um sich äußern zu können.Dazu gehört es natürlich, die körperliche Disposition zu verbessern, zumindest zu erhalten.Aber erstens und vor allem ist es nötig, dass das Kind auf dem Weg geleitet wird, seine ganze individuelle Musikalität zu finden. Aus dem dürfte klar werden, dass dem Sensibilisieren des Gehörs eine ganz besondere Rolle zukommt, d.h. in der Richtung, dass dem Kinde immer mehr die Frage bewusst wird: „Durch was äußere ich mich, was wird mein Instrument?“Wenn es sich darum handelte, mal so zu werden wie dieser oder jener Virtuose, könnten natürlich an jedem beliebigen „Kasten mit Seilen“ feingymnastische Übungen gemacht werden.


Auch der Malunterricht findet nicht statt, damit das Kind eines Tages malen kann wie Rubens, und Eurythmie wird nicht gemacht, damit das Kind einmal den „Schwanensee“ von Tschaikovsky tanzen kann. Wenn man sich angesichts von den Unmengen konsumierter Musiksurrogaten ein Verständnis verschafft, wie riesig der musikalische Hunger ist, und zudem bedenkt, wie viele Kinder einmal mit einem Instrument begannen und es wieder bleiben ließen (auch in der Waldorfschule die meisten), zeigt das, dass ein wahrhaft großes Problem in unserer Zeit auftaucht.Wie heilsam wäre es, wenn das Kind die Erfahrung machen könnte „die Welt tönt“; wenn es „elementare Erlebnisse“ hätte, dass durch Arbeit die Materie in Klang zurückverwandelt werden kann. Vielleicht wäre das etwas wie eine Antwort auf die Sehnsucht der Jugend?


Wie kann man das praktisch gestalten?Ein musikalisch-handwerklicher Unterricht wäre anzustreben, in dem man zunächst die verschiedenen Naturmaterialien in klanglicher Hinsicht befragt, wie z.B.: Hölzer, Metalle, Steine, Wasser, Luft.Die Erfahrung zeigt, dass durch einfache Bearbeitung derselben ein reges Hör-Interesse bei den Kindern entsteht; z.B. wie verhält sich der Klang der Buche zur Lärche oder wie klingt das Eisen oder das Kupfer?


Die Materialien sagen im Klang Wesentliches über sich aus.
Auf dieser Stufe würden vor allem die verschiedenen Schlaginstrumente entstehen können, aber auch Rasseln und Ratschen und das Schwirrholz – als erste Ahnung eines Saiteninstrumentes. Auf nächster Stufe wären z.B. einfache Blas- und Zupfinstrumente möglich, was in einem folgenden Schritt, zum Bauen von vielfältigen Streichinstrumenten führen kann. (Verschiedene Gesichtspunkte können dabei berücksichtigt werden; z.B. muss das Instrument einen Resonanzkörper haben oder wäre ein ganzflächiges oder ganz materiehaftes Instrument angebracht?)
So könnte das Kind zunächst mit der Vielzahl der klanglichen Möglichkeiten, allein schon im Streicherklang, Bekanntschaft machen und vertraut werden.So könnte man in komprimierter Form den Gang der Menschheit anhand seiner Musikinstrumentenkultur nachzeichnen, was den Jugendlichen die Möglichkeit gäbe (für diesen Bereich) im Zeitgemäßen anzukommen, was auch immer heißt, ein kleines Fenster in die Zukunft aufzumachen.


Zum Schluss nochmal die finanzielle Komponente: Wenn ein gut fundierter musikalisch-handwerklich oder handwerklich-musikalischer Unterricht Platz finden könnte, würde dadurch eine große Zahl von vielgestaltigen, qualitativ hochwertigen Instrumenten dem Musikleben in der Schule zur Verfügung stehen (ohne zusätzliche Kosten). In der Hoffnung, einen fruchtbaren Beitrag dazu geben zu können.


Franz van Dijk